Sonntag, 15. April 2012
"Das Tolle"
Meeeeeeine Fresse - entschuldigt den Ausdruck - kann das Wetter einem Streiche spielen. Ich meine, ich bin es ja gewohnt, dass es mal regnet, dann schneit und dann die Sonne scheint... Aber hier in Taiyuan muss ich wohl meine Einstellung dem Wetter gegenüber etwas ändern. Ich bin schon relativ früh erwacht und - sagen wir einfach, es ging mir nicht gerade sonnig. Doch das Wetter heiterte mich auf:

Morgens ist es heiss und sonnig, der Himmel ist hellblau und nichts scheint dem eigenen Vorhaben mehr im Weg zu stehen...

Doch halt! Hast du nicht was vergessen, Kim?

Meine Gastmutter hatte mir gesagt: "Zieh immer eine gute Jacke an, nimm eine Sonnenbrille mit und vergiss den Regenschirm auch nicht!"

Also nahm ich meine Jacke und Sonnenbrille, zog beides - etwas widerwillig - an. Da ich hier in China noch keinen Regenschirm besass und den meiner Gastmutter nicht einfach nehmen wollte, ohne sie vorher zu fragen, ging ich ohne hinaus. Das Wetter war unglaublich und eindeutig perfekt für einen kleinen Spatziergang durch den nahe gelegenen YIFEN GONGYUAN. (Yifen Park)

Während ich so lässig wie nur möglich durch den Park schritt, wie es mir nur möglich war - ich muss die Chinesen schliesslich beeindrucken, als ihr neuer Star ^^ - bemerkte ich nur beiläufig, dass es immer weniger Menschen wurden, die mir entgegenkamen. Nein, die meisten von ihnen rannten sogar an mir vorbei. Das hätte das Zeichen sein sollen, was meinen Tag gerettet hätte. Als ich mich endlich entschied, auf einen der Steine am kleinen See des Parks zu sitzen, spürte ich plötzlich etwas nasses an meiner Nase.

Ich nahm die Sonnenbrille ab, sah nach oben - und rannte. So schnell es mir möglich war, suchte ich unter dem am nähesten gelegenen Pavillon Schutz vor dem herunterstürzenden Regenschwall. Leider gelang mir das nicht besonders gut und so kam ich eine Stunde später - triefend nass - nach Hause. Die ayi lachte mich aus und der kleine Leopan drückte mich so fest an sich, dass er schlussendlich genauso einen Kleiderwechsel brauchte, wie ich.

Nach dem Regendebakel wurde der Tag auch nicht besser. Leopan steckte einen meiner Bleistifte in die Steckdose und sorgte somit für eine 1-stündige Dunkelheit im ganzen Viertel... Und dann wollte auch noch das restliche Wasser, welches mein Körper besitzt, in Form von Tränen aus mir herausquellen.

Tja. Auch solche Tage erlebt man in China. Aber wisst ihr was? Ich bin trotzdem froh, hier zu sein. Denn, auch wenn diese Tage nicht all zu toll sind, sind die guten und schönen Tage trotzdem noch in der Überzahl. ^^

Und hier ein kleiner Einblick in meine "Spatziergang-Welt".
Der Yifen Park im trockenen Zustand. ^^

Ich wünsche einen trockenen Tag,

K



Freitag, 13. April 2012
Schleifen und Ringe
Wenn ich darüber nachdenke, wie ich hier gelandet bin, gibt es viele Gründe, die ich aufzählen könnte, aber hier die Wichtigsten:

- Das Verlieren der Selbstbeherrschung und Erwähnen eines Gedanken, der Wirklichkeit wurde.
- Die Meinung anderer Personen über mich, dass ich mich nie für etwas entscheiden könne.
- Meine Sprachbesessenheit, die mich dazu trieb, neues erforschen zu wollen.
- Ich selbst, die die Bestätigung in der weiten Welt sucht, dass ich etwas durchziehen kann und auch das Alleinsein überstehe.

Wenn ich hier in meinem Zimmer auf der Fensterbank sitze, den Laptop in meinem Schoss habe und meinen Blick über die Dächer der umliegenden Häuser und den Park schweifen lasse, zweifle ich manchmal an der Richtigkeit dieser Gründe. Kann es sein, dass ich es einfach tat, um meinem Leben entkommen zu können? Dem Leben, das zu viele Fragen aufzuwerfen scheint und ich nichts mehr richtig machen kann?

Ich bin es gewohnt, dass ich in der Einsamkeit ab und zu einmal in Gedanken versinke, aber hier kommt es mir vor, als würde ich darin ersticken. Ich muss eindeutig etwas machen, damit das aufhört.

Kreative Ideen von meinen tollen Lesern? Ich bin für fast alles offen ^^

Heute dachte ich mir: Was mache ich hier eigentlich? Dumm rumsitzen hilft garantiert nicht. Also nahm ich meine Tasche, gefüllt mit Kaugummis, Sonnenbrille, Kamera, Handy und natürlich dem allseits geliebten Geld - Und zischte in nem Taxi in die Stadt. Ich weiss nicht, was mich in den nächsten zwei Stunden getrieben hat, aber auf jeden Fall kam ich mit zwei Säcken voll Schmuck und sonstigem Krimskrams wieder zurück in die Wohnung. Aber eines kann ich versichern:

So gut habe ich mich schon seit einer langen Zeit nicht mehr gefühlt.

Und ansonsten... Tja, was kann ich schon erzählen? Ich freue mich, hier zu sein, lebe mich endlich so richtig ein und habe das Gefühl, dass schon bald etwas tolles geschehen wird.
Lieber kindisch, als zu erwachsen, Leute! ^^

Müde Grüsse aus Taiyuan,

K



Sonntag, 8. April 2012
08.04.2012
Der heutige Tag ist für mich etwas besonderes. Denn:

Ich bin schon seit genau 2 Wochen in China.

Ich habe erlebt, dass Autofahrer widerwillen für Fussgänger anhielten, dass das Geschrei eines kleinen Kindes einem wohl überall auf der Erde fast das Trommelfell platzen lässt, dass im 17ten Stock zu wohnen die Umgebung schrumpfen lässt und dass Fluglinien eindeutig kürzer sind als Fussmärsche.

Ich gebe zu, die Blogeinträge, die bisher entstanden sind, waren eher oberflächlich. Doch jetzt ist - für den Anfang ^^ - Schluss damit. Hier stehen nun nur noch echt menschliche, gefühlvolle und bewundernswerte Einträge. (Dass ich mir damit selbst eine schwere Aufgabe stelle, ist mir klar. =))
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Als ich gestern morgen früh von einem *Tock-tock*-Geräusch an meiner Tür erwachte, hätte ich nie gedacht, dass dieser Tag so anstrengend werden würde. Der kleine Junge - ich nenne ihn in diesem Blog ab sofort liebevoll Leopan - schlug so heftig mit seinen Fäusten an meine Zimmertür, dass ich - aus Angst, er breche sich noch die Knochen - mir schnell etwas überwarf und die Tür öffnete. Schon ganz bekleidet und mit einem schiefen Grinsen im Gesicht sah er mich an. Anscheinend erwartete er etwas von mir. Ich dachte mir schon:
"Ach Schreck, was kommt wohl jetzt?" als er mir in seinem süssen English erklärte, ich solle mich schnell anziehen, denn wir würden in den Park gehen, um mit dem Drachen zu spielen.

Ich tat so, als habe ich nicht gerade verstanden, dass er mit dem Feuer eines Fantasieproduktes spielen wolle und machte mich bereit, zu gehen. An der Haustür warteten meine Gastmutter und noch zwei andere Menschen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Ich weiss übrigens auch jetzt noch nicht genau, wer die beiden waren, denn nach chinesischer Sitte wurden sie mir nicht vorgestellt, sondern sie sagten einfach "hy" und "bye". Toll. (Jedoch vermute ich doch stark, dass der Mann der Chauffeur ist. - Übrigens... schreibt man dieses Wort wirklich so? - Denn Leopan und meine Gastmutter scheinen ihn relativ gut zu kennen... Fragt mich nicht, wie ich darauf komme, aber so arbeitet mein Hirn eben. ^^)

Der "Chauffeur" fuhr uns also zum Park, wo das Teetrinken mit dem Drachen verabredet war. Auf dem Weg dorthin hatte ich beinahe einen Herzinfakt, als der Fahrer - meiner Meinung nach - zu früh nach links abbog und wir plötzlich auf der Gegenfahrbahn waren. Als ich jedoch kein Hup-Orchester vernahm, entschied ich mich dafür, dies als typisch chinesisches "Geisterfahrer-ohne-Geister-Effekt"-Verhalten in meinem Gehirn abzuspeichern, damit ich das nächste Mal - und ja, ich glaube es wird ein nächstes Mal geben - nicht noch wirklich vor Angst sterbe.

Allerdings brachte dieses Nicht-geisterfahren auch eine Art frohlockendes Gefühl in mir auf. Als wir so ganz "gechillt" an den Autos verbei kurften, sah ich auf der Strassenseite einen Mann der aussah, als würde er mit vier Jojos gleichzeitig spielen. FALSCH GEDACHT, KIM! Während wir immer näher an ihn heranfuhren begriff ich plötzlich, dass dies keine Jojos waren, sondern Schildkröten. Waschechte, lebendige Schildkröten, welche an roten Schnüren mit seinen Armen verbunden waren. Auch wenn es mir nachträglich wirklich Leid tut, dass die Schildkröten jetzt wahrscheinlich bei irgendjemandem zu Hause als Suppe mit viel Ton weggeschlürft werden, musste ich im Moment meiner Erkenntnis einfach lachen. XD
Ich kann es noch so langwierig erklären, doch leider geschah das alles in so kurzer Zeit, dass ich nicht dazu gekommen bin, ein Foto zu machen. Sorry ^^

Um das Rätsel um den Drachen nun auch noch endlich zu lösen:

Es handelt sich dabei um einen Drachen, den man an der Schnur in die Luft steigenlassen kann. Verstanden? Witzigerweise habe ich gerade versucht, das Wort "kite" aus dem Englischen ins Deutsche zu übersetzen, da ich nicht mehr genau wusste, wie es heisst, aber anscheinend ist ein Drache wohl ein Drache und bleibt dies auch sein Leben lang. xD

- Falls ihr mein Kauderwälsch-Geblabber nicht versteht, schaut in 'nem Wörterbuch nach, was kite auf deutsch heisst... ^^ -

Als ich wieder zu Hause auf meinem Bett lag, hatte ich schmerzende Füsse, brennende Augen und schlaffe Arme, was mir eindeutig klar machte, dass ich ins Bett solle. (Was ich dann nach einigen Skypeonaten auch tat.)

Mit freundlichen Grüssen aus dem windigen Taiyuan,

K