08.04.2012
Der heutige Tag ist für mich etwas besonderes. Denn:
Ich bin schon seit genau 2 Wochen in China.
Ich habe erlebt, dass Autofahrer widerwillen für Fussgänger anhielten, dass das Geschrei eines kleinen Kindes einem wohl überall auf der Erde fast das Trommelfell platzen lässt, dass im 17ten Stock zu wohnen die Umgebung schrumpfen lässt und dass Fluglinien eindeutig kürzer sind als Fussmärsche.
Ich gebe zu, die Blogeinträge, die bisher entstanden sind, waren eher oberflächlich. Doch jetzt ist - für den Anfang ^^ - Schluss damit. Hier stehen nun nur noch echt menschliche, gefühlvolle und bewundernswerte Einträge. (Dass ich mir damit selbst eine schwere Aufgabe stelle, ist mir klar. =))
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Als ich gestern morgen früh von einem *Tock-tock*-Geräusch an meiner Tür erwachte, hätte ich nie gedacht, dass dieser Tag so anstrengend werden würde. Der kleine Junge - ich nenne ihn in diesem Blog ab sofort liebevoll Leopan - schlug so heftig mit seinen Fäusten an meine Zimmertür, dass ich - aus Angst, er breche sich noch die Knochen - mir schnell etwas überwarf und die Tür öffnete. Schon ganz bekleidet und mit einem schiefen Grinsen im Gesicht sah er mich an. Anscheinend erwartete er etwas von mir. Ich dachte mir schon:
"Ach Schreck, was kommt wohl jetzt?" als er mir in seinem süssen English erklärte, ich solle mich schnell anziehen, denn wir würden in den Park gehen, um mit dem Drachen zu spielen.
Ich tat so, als habe ich nicht gerade verstanden, dass er mit dem Feuer eines Fantasieproduktes spielen wolle und machte mich bereit, zu gehen. An der Haustür warteten meine Gastmutter und noch zwei andere Menschen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Ich weiss übrigens auch jetzt noch nicht genau, wer die beiden waren, denn nach chinesischer Sitte wurden sie mir nicht vorgestellt, sondern sie sagten einfach "hy" und "bye". Toll. (Jedoch vermute ich doch stark, dass der Mann der Chauffeur ist. - Übrigens... schreibt man dieses Wort wirklich so? - Denn Leopan und meine Gastmutter scheinen ihn relativ gut zu kennen... Fragt mich nicht, wie ich darauf komme, aber so arbeitet mein Hirn eben. ^^)
Der "Chauffeur" fuhr uns also zum Park, wo das Teetrinken mit dem Drachen verabredet war. Auf dem Weg dorthin hatte ich beinahe einen Herzinfakt, als der Fahrer - meiner Meinung nach - zu früh nach links abbog und wir plötzlich auf der Gegenfahrbahn waren. Als ich jedoch kein Hup-Orchester vernahm, entschied ich mich dafür, dies als typisch chinesisches "Geisterfahrer-ohne-Geister-Effekt"-Verhalten in meinem Gehirn abzuspeichern, damit ich das nächste Mal - und ja, ich glaube es wird ein nächstes Mal geben - nicht noch wirklich vor Angst sterbe.
Allerdings brachte dieses Nicht-geisterfahren auch eine Art frohlockendes Gefühl in mir auf. Als wir so ganz "gechillt" an den Autos verbei kurften, sah ich auf der Strassenseite einen Mann der aussah, als würde er mit vier Jojos gleichzeitig spielen. FALSCH GEDACHT, KIM! Während wir immer näher an ihn heranfuhren begriff ich plötzlich, dass dies keine Jojos waren, sondern Schildkröten. Waschechte, lebendige Schildkröten, welche an roten Schnüren mit seinen Armen verbunden waren. Auch wenn es mir nachträglich wirklich Leid tut, dass die Schildkröten jetzt wahrscheinlich bei irgendjemandem zu Hause als Suppe mit viel Ton weggeschlürft werden, musste ich im Moment meiner Erkenntnis einfach lachen. XD
Ich kann es noch so langwierig erklären, doch leider geschah das alles in so kurzer Zeit, dass ich nicht dazu gekommen bin, ein Foto zu machen. Sorry ^^
Um das Rätsel um den Drachen nun auch noch endlich zu lösen:
Es handelt sich dabei um einen Drachen, den man an der Schnur in die Luft steigenlassen kann. Verstanden? Witzigerweise habe ich gerade versucht, das Wort "kite" aus dem Englischen ins Deutsche zu übersetzen, da ich nicht mehr genau wusste, wie es heisst, aber anscheinend ist ein Drache wohl ein Drache und bleibt dies auch sein Leben lang. xD
- Falls ihr mein Kauderwälsch-Geblabber nicht versteht, schaut in 'nem Wörterbuch nach, was kite auf deutsch heisst... ^^ -
Als ich wieder zu Hause auf meinem Bett lag, hatte ich schmerzende Füsse, brennende Augen und schlaffe Arme, was mir eindeutig klar machte, dass ich ins Bett solle. (Was ich dann nach einigen Skypeonaten auch tat.)
Mit freundlichen Grüssen aus dem windigen Taiyuan,
K
kimie20 am 08. April 12
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